Seminarfahrt „Sterbende Menschen pflegen“

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Im beißenden Wind der Ostsee versammelte sich die GKP 61 am 28. November morgens um 10 Uhr vor der Jugendherberge in Stralsund. Zum Anfang begeisterte keinen unsere Unterkunft, denn von außen hatte sie einen ausgeprägten DDR-Charme. Ein deutlicher Unterschied zu den anderen Häusern, die modern, farbenfroh und einladend wirkten, und vor allem Dusche, WC und ausreichend Steckdosen in den Zimmern hatten. Zudem war die Aufregung wegen der anstehenden Vorträge groß. Hinzu kam noch die Thematik: darauf waren wir zwar eingestellt, dennoch war es keine leichte Kost.
Aus dem Alltag verbannt? Ein Tabuthema? Hat Deutschland eine „Totenkultur“? Was ist Sterben und Tod? Was macht den Menschen zum Menschen? Was bedeutet würdevolles Sterben und welchen Beitrag kann die Pflege dazu leisten? Es gab viele oft verdrängte, unangenehme, sensible und emotionale Fragen zu beantworten.
Frau Neugebauer und Frau Dr. Kirschner ermöglichten uns respektvoll und sensibel den Einstieg in die Thematik. Durch die liebevoll vorbereiteten Naschereien und Getränke sowie die allgemein respektvolle Atmosphäre, welche durch die im Dunklen flackernden Kerzen und den Grabschmuck unterstrichen wurde, fühlten wir uns angekommen.
Es kam zu einem regen Austausch von Gedanken, Erlebnissen und Gefühlen zum Thema. Jeder konnte, musste aber nicht reden. Für jeden gab es Platz und Raum, seinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen, ganz ohne digitale Störungen dank der „Handy-Box“.
Nach einer kleinen Mittagsmahlzeit, welche aus einer wahren Begrüßung der Ostsee bestand: Hühnersuppe (mit etwas zu viel Salz), gingen die regen Diskussionen weiter bis in den Nachmittag hinein.
Den passenden Ausgleich gab es in der freien Zeit durch den herrlichen Weihnachtsmarkt und der gemütlichen Geselligkeit der Klasse beim „Wer bin ich“-Spielen.
Am nächsten Tag lauschten wir gebannt den vorbereiteten Vorträgen unserer Mitschüler und vertieften so unser Wissen. Schwerpunkte waren hier u.a. der Umgang mit Sterben und Tod in den Weltreligionen, die Sterbephasen nach Kübler-Ross, Hospizbewegung und Palliative Care, Sterbebegleitung in den verschiedenen Institutionen, Symbolsprache Sterbender, Besonderheiten bei der Pflege Sterbender, Aufgaben der Pflegenden nach dem Tod der Pflegebedürftigen sowie rechtliche und ethische Fragen am Ende des Lebens (z.B. Sterbehilfe, Patientenverfügung, usw.).
Auch an diesem Abend blieb noch Zeit für gemeinsame Aktivitäten, die diesmal ganz unter dem Motto „Sport“ standen. Um dafür genug Energie zu haben, aßen wir gemeinsam nach einem demokratischen Entscheid und insbesondere zur Freude von Frau Kirschner im Burger King. Einige engagierte Nachzügler kamen nach einer Runde im Fitnessstudio ebenfalls hinzu. Als alle gestärkt waren, fuhren wir zur Spielhalle. Das Angebot war reichlich. Von Airhockey, Billard und Bowling bis hin zu Spielautomaten – Jeder kam auf seine Kosten. Es wurde viel gespielt und noch mehr gelacht.
Im Mittelpunkt des letzten Tages stand die ganz persönliche Auseinandersetzung mit „Sterben und Tod“. Über verschiedene Aufgabenstellungen wurden wir dazu angeregt, darüber nachzudenken, was wir tun würden, wenn wir nur noch einen Tag zu leben hätten, wie die eigene Beerdigung aussehen soll und welche Vorstellung wir von dem haben, was nach dem Tod kommt.
Nach drei Tagen, in denen das Sterben und der Tod einen großen Raum einnahmen, gestalteten Frau Neugebauer und Frau Kirschner den Abschied bewusst positiv: Über eine  Wertschätzungsrunde, in der wir den anderen auf am Rücken befestigten Zettel das mitteilen konnten, was wir ihnen schon immer einmal sagen wollten. Diese Übung rührte nicht wenige – im positivsten Sinne - zu Tränen. Viele waren erstaunt, was die anderen über einen selbst dachten.
So wurde das Seminar nicht zuletzt durch die Vielzahl von verschiedenen Themen und Methoden, vor allem aber durch das Zusammensein und das noch stärkere Zusammenwachsen der Klasse – trotz oder gerade wegen der schwierigen Thematik -zu einem vollen Erfolg. Schlussendlich war am Ende auch die Unterkunft weniger schlimm, als zunächst befürchtet. Getreu dem Motto: „Wir machen das Beste draus“ (auch mit wenigen Steckdosen und Gemeinschaftssanitär).

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